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Sonne, Mond und Wasserstand lautet die Zauberformel, die den Badebetrieb vor St. Peter-Ording bestimmt. Ob die Nordsee unbeirrbar das Weite sucht oder einladend über den Flutsaum schwappt, ob Priele und Watt zum blitzblanken Wanderparadies werden oder bei auflaufendem Wasser jeden Spaziergang verbieten, hängt von der Anziehungskraft der Gestirne ab. Sie verursachen Flut und Ebbe - in allen Varianten, die irdische Naturgewalten mitunter noch dazutun. Rund zwölf Stunden und 25 Minuten währt die Zeitspanne (auch Tide genannt) von einem Niedrigwasser zum nächsten. Für die Tagesplanung empfiehlt sich deshalb immer erst der Griff zum örtlichen Tidekalender, denn Ebbe und Flut folgen niemals zur selben Zeit aufeinander. Ihren höchsten Wasserstand (Springflut) hat die See übrigens, wenn Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen. Am niedrigsten (Nipptide) zeigt sie sich, wenn Erde, Sonne und Mond einen rechten Winkel bilden.

Gesundes Nass
Die Nordsee bietet nicht nur Erholung, Kurzweil, sportliche Herausforderung und hinreißende Naturschauspiele. Sie hat auch besonders heilsame Qualitäten. Der Gehalt des Meerwassers an Mineralstoffen und Spurenelementen ähnelt der Zusammensetzung des menschlichen Blutes und wirkt sich deshalb äußerst positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aus. So sind das Nordseewasser und seine an die Luft abgegebenen maritimen Aerosole (Salzkristalle) anerkannte Heilsubstanzen bei Hautproblemen, Erkrankungen der Atemwege und vergleichbaren Beschwerden.

Power in den Wellen
Erholungssuchende nutzen die Fähigkeit der Nordsee, Kraft zu spenden, mit Genuss und Erfolg. Bedenklich wird es nur, wenn die Nordsee ihre Kraft zur eigenen Entfaltung einsetzt - denn dann kann sie zur entfesselten „Landschaftsgestalterin“ werden.
Seit Chronisten St. Peter und Ording ihre Aufmerksamkeit schenken, sind Sturmfluten, Landverluste und Veränderungen des Küstenprofils stets Thema der Ortsgeschichte.
Eine einzige Sturmflut „schluckte“ oft Hunderte Meter Dünengelände. Binnen 300 Jahren vereinnahmte das tobende Meer rund 500 ha Land. Andererseits schleppte die Nordsee immer wieder große Mengen Sand heran, um die Küstenlinie neu zu plastizieren. Sie begrub Häfen unter Sand und ließ auch die Furt verschwinden, die ehedem die große Sandbank vom Festland trennte: wo sich heute der makellose Strand bis zum Horizont dehnt, schipperten in den 1920-er Jahren die örtlichen Fischer, um Badegäste zur Sandbank zu bringen.
Sanft gebadet
Behutsam und unkompliziert bittet die Nordsee vor St. Peter-Ording zum Bad. Der Zugang ist flach und die Wassertiefe nimmt nur gemächlich zu. Selbst kleinere Kinder haben damit bei ruhiger See denkbar günstige Voraussetzungen für die Annäherung an das Meer. Auch die Strömungsverhältnisse sind bei Badewetter meist unproblematisch. Gewöhnlich ist die Wasserdrift sanft und zieht je nach Windrichtung parallel zum Strand; nur selten strebt sie dem offenen Meer entgegen.
Norddeutsche Hitze
Die Anwesenheit prachtvoller, niemals weichender Hitze ist für die Nordseeküste keine wirklich typische Eigenschaft - außer für St. Peter-Ording. Seine stets verfügbare Hitze verdankt das Heilbad der einstigen Gepflogenheit, Sandbänken eigene Bezeichnungen - ähnlich einem Flurnamen - zu geben. Das betreffende raumgreifende Areal vor Sankt Peter firmierte damals unter dem Namen „Hitze“. Noch heute ist der historische Titel im örtlichen Wortschatz treu verankert: Menschen, die am Ufersaum nach Bernstein oder anderen erstrebenswerten Gütern suchen, sind in St. Peter-Ording nun mal keine gewöhnlichen Strandläufer, sondern "Hitzlöper".
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